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FORUM

Nachdem der Diskussionbedarf bezüglich unserer Kampagne nach wie vor sehr groß ist haben wir auf der Homepage des Referats ein eigenes Forum eingerichtet. hier
PRESSE

Bereits vor einem halben Jahr wurde die Kampagne "ich muss mal austreten" vom Referat für LesBiSchwulTransGender Angelegenheiten der HTU initiiert. Aufgrund der noch immer sehr brisanten Thematik dieser Kampagne haben sich die HOSI (Homosexuelle Initiative) Wien, die HUG (Homosexuelle und Glaube) sowie das Referat für Gleichgeschlechtliche Lebensweisen der ÖH Graz zur Unterstützung entschieden. Ziel und Zweck dieser schon seit einigen Monaten laufenden Aktion ist, die Möglichkeit eines Kirchenaustritts aufzuzeigen und gleichzeitig ein Bewusstsein für die Notwendigkeit von Reformen zu schaffen. Selbst wenn das Plakat für einige Menschen als Provokation aufgefasst werden kann, bietet sich dadurch die Grundlage für eine Diskussion und damit einer vertiefenden Auseinandersetzung mit der Problematik Kirche.

Die studentische Relevanz ergibt sich insofern, als dass das kirchliche Gedankengut keinesfalls vor den Mauern der Universität halt macht. Dies fördert, dass Menschen aus Minderheiten so auch innerhalb der Universität in ihrer Individualität eingeschränkt werden. Aus diesem Grund treten das Referat für LesBiSchwulTransGender Angelegenheiten der HTU und die oben genannten Organisationen für die Akzeptanz ( www.nichtmitmir.at/akzeptanz) menschlicher Bedürfnisse ein.

Wichtig ist zunächst festzuhalten, dass die Kampagne "ich muss mal austreten" sich nicht nur an ein homosexuelles Publikum richtet, sondern an alle, die durch irgendeine Art und Weise in ihrem Leben durch die Kirche diskriminiert oder ungerecht behandelt werden. Hierzu gehört auch die größte "Minderheit", nämlich die Frauen. Nicht nur, dass die römisch katholische Kirche die Priesterinnenweihe nach wie vor verbietet und dogmatisch an ihren Grundsätzen festhält, werden Frauen, die sich zur Abtreibung entschließen, "verteufelt". Auch vorehelicher Geschlechtsverkehr sowie die Anwendung von Kontrazeptiva werden als Sünde aufgefasst.

Weiters richtet sich die Kampagne an alle jene "Taufscheinchristen", die bloß noch bei der Institution Kirche dabei sind, weil sie entweder noch keine Kirchensteuer zahlen müssen, sich bisher noch nicht überwinden konnten auszutreten etc. jedoch im Grunde mit der Politik der Amtskirche nicht einverstanden sind. Aufgrund der mitwirkenden OrganisatorInnen ist klar, dass auch die Problematik bezüglich Diskriminierung Homosexueller angesprochen werden soll. Zu diesem Thema ein Zitat aus einem offiziellen Text des Vatikans, den "Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen" vom 31. Juli 2003.
"[...]Die Ehe ist heilig, während die homosexuellen Beziehungen gegen das natürliche Sittengesetz verstoßen. Denn bei den homosexuellen Handlungen bleibt " die Weitergabe des Lebens [...] beim Geschlechtsakt ausgeschlossen. Sie entspringen nicht einer wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit. Sie sind in keinem Fall zu billigen ".(4) [...]den unsittlichen Charakter dieser Art von Lebensgemeinschaften klar herausstellen; den Staat auf die Notwendigkeit hinweisen, das Phänomen in Grenzen zu halten, damit das Gewebe der öffentlichen Moral nicht in Gefahr gerät und vor allem die jungen Generationen nicht einer irrigen Auffassung über Sexualität und Ehe ausgesetzt werden,[...] Jene, die diese Toleranz gebrauchen, um bestimmte Rechte für zusammenlebende homosexuelle Personen einzufordern, müssen daran erinnert werden, dass die Toleranz des Bösen etwas ganz anderes ist als die Billigung oder Legalisierung des Bösen. [...] Das Einfügen von Kindern in homosexuelle Lebensgemeinschaften durch die Adoption bedeutet faktisch, diesen Kindern Gewalt anzutun in dem Sinn, dass man ihren Zustand der Bedürftigkeit ausnützt, um sie in ein Umfeld einzuführen, das ihrer vollen menschlichen Entwicklung nicht förderlich ist. [...]"
Als letztes sei noch kurz auf die praktizierte Doppelmoral der Kirche eingegangen, welche zuletzt ganz stark im Fall St. Pölten zum Vorschein kam. Während Homosexualität auf der einen Seite verdammt wird, werden eindeutig sexuelle Handlungen in den eigenen Reihen als Bubendummheiten abgetan und verleugnet. Die Missstände innerhalb der Kirche lassen sich ohne weiteres noch um einige Absätze ergänzen.

Durch die oben genannten Beispiele ist jedenfalls klar, dass eine Institution mit derartig konservativen und dogmatischen Ansichten für eine moderne, globale und offene Gesellschaft unakzeptabel ist. Diskriminierung und Verletzung von Menschenrechten führen zu Spaltung sowie Hass und stellen dadurch ein unchristliches Verhalten dar. Selbst die positiven Aspekte, wie etwa karitative Einrichtungen, Arbeitsplätze, Seelensorge, etc., können aus prinzipiellen Gründen die (vor)herrschenden Menschenrechtsverletzungen nicht ungeschehen machen und rechtfertigen.

Sollten sich jedenfalls keine grundsätzlichen Veränderungen in der katholischen Kirche einstellen und kein umfassender Dialog gefunden werden, bleibt zuletzt leider nur noch der Austritt.

HTU INFO 10/2004



Dass ein Austritt weder viel Zeit in Anspruch nimmt, noch unzähliger Formalitäten bedarf, soll unter anderem durch unsere Aktion untermauert werden. Hat man sich erst einmal zu einem Kirchenaustritt entschlossen gibt es je nach Wohnort zwei unterschiedliche Behörden die hierfür zuständig sind. In Städten ohne eigenes Statut sowie in Gemeinden ist die Bezirkshauptmannschaft aufzusuchen, ansonsten der Magistrat beziehungsweise in Wien das Magistratische Bezirksamt. An Dokumenten sind lediglich Taufschein, Meldezettel und Ausweis mitzubringen. Nähere Informationen zum Thema Kirchenaustritt finden sich unter http://www.help.gv.at. vorschaudrucken

Kommentare

Ein Plakat erweckt Auseinandersetzung noch bevor die homosexuellen Vorgänge im St. Pöltner Priesterseminar in der Öffentlichkeit verrissen werden. Ist es ein Vorauswehen des Geistes?

Ich muss mal kurz austreten!

Der Satz wurde bereits gedeutet, noch bevor man sich bewusst machte, was er primär besagt: Es handelt sich um einen wichtigen allgemein menschlichen Vorgang, dem man/frau in gesunder Weise täglich zwei- bis dreimal nachkommt. Dass zölibatäre Priester und Ordensfrauen und -Männer auch menschliche Bedürfnisse haben, scheint in manchen - nicht nur katholischen - Kreisen nicht immer recht wahrgenommen zu werden. So wird oft ausgeblendet, dass die sexuelle Identität eines jeden Menschen einen Lebensprozess in Beziehungen darstellt, und nicht rigoros "abgehackt" und erledigt werden kann. Auch Homosexualität entwickelt sich und sucht nach Beziehung. Sie zu kultivieren ist eine alltägliche Lebensaufgabe. Es mag angebracht, gut und richtig sein, auch enthaltsam zu leben, wenn diese Lebensform einer guten Sache dient. Wenn diese "gute Sache" aber Menschen selbst sind, deren Leben sich in Beziehungen entfalten soll, dann ist diesen Menschen der gebührende intime Entscheidungsfreiraum zu gewährleisten. Das aber ist nicht einmal in unserer liberalen Gesellschaft, viel weniger noch in religiösen Kreisen und schon gar nicht in der katholischen Kirche selbstverständlich. Da wird in Doppelbödigkeit verdrängt, geurteilt, moralisiert, skandalisiert...
Wo lässt sich in der Öffentlichkeit oder in der Kirche dieser Ort finden, wenn du nicht mehr in einem fort solche verachtenswerte Missstände runterschlucken und runterwürgen kannst? Wenn dir darüber zum Kotzen ist und du auf all das mal sch... musst? Und es ist zum Kotzen, wenn Schwulsein in einem fort mit Kindesmissbrauch gleichgesetzt wird, wenn verdrängte Homosexualität in Form von Homophobie zurückschlägt, wenn emphatische Nähe im pädagogischen Umgang mit Heranwachsenden sofort mit dem Ausdruck Pädophilie mies gemacht wird, wenn Homosexualität einerseits bejaht, die sie leben aber von der Kirche ausgegrenzt werden, wenn schwule Männer im kirchlichen Dienst pausenlos ein Versteckspiel betreiben müssen, damit ihre Neigung nicht offenkundig wird, danach verdächtige Priester- und Ordensanwärter fortwährend schikanierenden Beobachtungen ausgesetzt sind, wenn einer Verlogenheit das Wort geredet und geschrieben wird, dass solche Vorkommnisse wie in St. Pölten für ein Priestersaeminar untragbar seien, während sich doch jeder Studierende entscheiden kann, ob er sich an seinem PC - wenn ihm danach ist - auch pornographische Inhalte runterladen kann oder nicht. Es dient Pornographie allzumal auch als Ersatz für Personen, welche einer direkten sexuelle Beziehungen nicht nachkommen können oder dürfen. Wer gibt das schon zu? Ja es ist zum Kotzen, wenn alle Öffentlichkeit scheinheilig so tut, als sei man darüber erhaben, und man/Frau in Wirklichkeit oft einen noch viel größeren Beziehungsscheiß lebt. Wohin kannst du austreten, um zu erfahren, dass

das erleichter?
Und wo trittst du dann hin, wenn du mit dem notwendigen Geschäft fertig bist. Es dauert nicht lange.

So heißt es auf dem Plakat. Niemand bleibt länger auf dem Örtchen sitzen, als es seinem oder ihrem Bedürfnis entspricht. Man/frau tritt wieder ins volle Leben ein. Auch Kirchenkleriker können das, wenn sie wollen. Wer nötigt sie, dass sie in ihrem Capehuschen im eigenen Mief hocken bleiben, während sie auf die angeblich böse Welt kacken. Gerade im jetzigen Zusammenhang finde ich es als höchst angebracht, den Gleichbehandlungsgrundsatz von der Kirche nachdrücklich einzufordern. Jeder Mensch ist seiner Lebenspartnerschaft fähig, so gut er jeweils kann, und ist befähigt daran zu wachsen. Es darf auf Grund des Geschlechts und der sexueller Neigungen auch in der Kirche keine Diskriminierung geben. Wo tatsächlich schwere Vergehen und Verbrechen wegen sexuellen Missbrauchs vorliegen, hat das Gericht zu entscheiden. In der Causa St. Pölten gibt es dazu 1 Anzeige bezüglich des Verdachtes auf 1 Person. Was ist alles übrige?

Resümee der Erörterung: Besser rechtzeitig austreten, als öffentlich in die Hose machen.

Rudi




Kirchenaustritt - aktueller denn je!

Begonnen hat unsere Kamapagne "Ich muss mal austreten!" bereits Wochen bevor der Skandal um den St. Pöltner Bischof Kurt Krenn von den Medien ins Rollen gebracht wurde. Es war von "Kinderpornografie und Homosexualität" die Rede. Mit solchen reißerischen Überschriften versuchten Print-medien, Fernsehen und Internetseiten die Leser- bzw. Seherzahlen zu erhöhen, was sicherlich gelungen ist. Die Tatsache, dass es eigentlich darum ging, dass im St. Pöltner Priesterseminar auf einem Computer "kinderpornografisches Material" gefunden wurde - was nach österreichischem Gesetz verboten ist - schien dabei wie eine Nebensache zu sein.

Nun ist etwas Zeit vergangen, Bischof Krenn ist/wurde zurückgetreten (nachdem ein alter, kranker Mann in Rom sich endlich dazu entschlossen hatte) und es ist um das Thema etwas stiller geworden. Was sich die Öffentlichkeit nun wohl dabei denkt? Sind die Schwulen jetzt diese Bösewichte, die sich Kinderpornos aus dem Internet runterladen? Wird es nicht wieder gleich weiter gehen? Die Verantwortlichen wurden bestraft - aber was hat sich nun grundlegend geändert? Deckel drauf und Schluss. Fragt sich nur wie lange es dauert, bis der Topf wieder übergeht.

Das Schlimme an der ganzen Sache haben nur wenige erkannt. Homosexualität hat mit Kinderpornografie nichts zu tun. Sie ist eine gesunde Art menschliche Sexualität zu leben, wobei Kinderpornografie in das Reich der Kriminalität gehört. Das Verhalten der Medien, schwule Männer aufgrund einer Vermischung von Begriffen pauschal zu verurteilen, ist mehr als unfair.

Solange die katholische Kirche so weitermacht wie bisher, nicht über Änderungen im großen Rahmen nachdenkt (ich bin sicher viele tun es) und nicht den Mut findet dann auch wirklich was zu ändern, halte ich einen Austritt nicht nur als gerechtfertigt - nein ich rate auch dazu. Ein Kirchenaustritt bedeutet keineswegs dem Glauben den Rücken zuzukehren, sondern vielmehr ein Zeichen zu setzen nicht mehr mit dem Verein "Katholische Kirche" konform zu gehen. Gott hat alle Menschen gleich lieb, wieso dann Unterschiede machen.

Robert


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